Titelbild Ölpalm Plantage

Warum ist Palmöl so umstritten?

Was haben Kerzen, Duschgel und Schokolade gemeinsam? Laut Greenpeace und WWF beinhaltet jedes zweite Produkt in deutschen Supermärkten Palmöl. Hier werden Vor- und Nachteile zu diesem aktuellen und kontrovers diskutierten Thema erklärt. Ein Rundumblick über Gesundheit, Nachhaltigkeit, soziale und ökologische Aspekte. Ist Palmöl nun ein Wundermittel oder Teufelszeug?

Warum steckt Palmöl in so vielen Produkten?

Palmöl ist geruchs- und geschmacksneutral, sehr lange haltbar und daher fast überall einsetzbar. Es ist mit Abstand das günstigste und am meisten produzierte Pflanzenöl auf dem Weltmarkt. Durch diese Eigenschaften ist das Öl perfekt für die Herstellung von billiger Massenware geeignet.

Doch was macht das Öl so billig?

Die Finanzierung für das Anlegen einer Ölpalmplantage wird oftmals durch den Verkaufen der ursprünglich dort wachsenden Tropenhölzer gedeckt. Häufig stehen illegale Geschäfte, Korruption und Machtmissbrauch im Zusammenhang damit. Das Betreiben der Plantage ist für die Großunternehmen verhältnismäßig günstig, da sie sich billiger Arbeitskräfte aus den jeweiligen Anbauländern bedienen.

Hauptanbauländer:

  • Indonesien
  • Malaysia
  • Thailand
  • Nigeria
  • Kolumbien
Anbaugebiete Palmöl

Wo steckt Palmöl überall drin?

In europäischen Supermärkten enthält mindestens jedes zweite Produkt Palmöl. Fabriken der Lebensmittel- und Chemieindustrie aber vor allem auch Wärme- und Kraftstofferzeuger gehören zu den Hauptabnehmern. Zu den bekanntesten zählen Unternehmen wie Ferrero, PepsiCo, Nestlé, Unilever, Mc-Donalds und Colgate-Palmolive.

Palmöl steckt nicht nur in Nutella und Fertiggerichten, wie Tiefkühlpizza ud Tütensuppen, sondern auch in Brotaufstrichen, Margarine, Keksen, Chips, Babynahrung und Gemüsebrühe. Die Mehrzahl aller Kosmetikprodukte enthält Palmöl. Es steckt aber auch in Waschpulver, Reinigungsmitteln, Kerzen, Möbeln und vor allem als Biosprit im Dieselkraftstoff. Große Mengen fließen zudem in das Futtermittel für Tiere, was vor allem in der Massentierhaltung zu einem enormen Verbrauch führt.

Palmöl kann sich unter anderem in den folgenden Bezeichnungen verstecken:

  • Cetearyl
  • Cetyl
  • Lauryl
  • Laurate
  • Palm/Palmate
  • Pflanzenfett/Pflanzenöl
  • Stearyl
  • Stereate

Ist Palmöl gesund oder schädlich?

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde Glycidol – ein bestimmter Stoff, der im Körper bei der Verdauung von Palmöl abgespalten wird – als krebsauslösende Substanz eingestuft. Obwohl diese Tatsache inzwischen von vielen Studien bestätigt wurde und zudem bekannt ist, dass Palmöl zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren besteht und zu hohen Cholesterinwerten und Herzkrankheiten führen kann, steigt die Nachfrage seit einigen Jahrzehnten enorm.

5 Gründe, warum wir unseren Palmölverbrauch reduzieren sollten:

1. Abholzung und Brandrodung des Regenwaldes & Klimawandel

Ölpalmen, die ursprünglich nur in Westafrika heimisch waren, wachsen ausschließlich in tropischen Regionen und werden mittlerweile rund um den Äquator angebaut – genau dort, wo eigentlich der Regenwald unserer Erde wächst. Die extreme Nachfrage nach Palmöl führt dazu, dass Ölpalmen seit etwa 1970 auf immer größeren Flächen angebaut werden. Vor allem in Indonesien und Malaysia wird dafür großflächig der Regenwald gerodet. Weltweit gibt es bereits etwa 32 Mio Hektar Ölpalmplantagen. Das ist in etwa so groß wie ganz Deutschland.

Der Regenwald ist aufgrund seiner Artenvielfalt und als CO2-Speicher enorm wichtig für das Weltklima. Da unsere Zivilisation einen immensen CO2-Ausstoß verursacht, ist es umso wichtiger, dass wir den Regenwald erhalten, anstatt ihn zu roden. Doch vor allem durch die jährlich stattfindenden Brandrodungen werden riesige Mengen CO2 freigesetzt, die in den uralten Bäumen und Torfböden gespeichert waren. Die Folgen sind massiv und lassen sich inzwischen unschwer an dem immer extremeren Wetter erkennen.

Laut dem Naturforscher David Attenborough wurde bereits die Hälfte aller Regenwälder unserer Erde gerodet. Die heutige weltweite Entwaldungsrate von jährlich 3,8 Millionen Hektar tropischer Regenwälder entspricht einer Fläche von etwa zehn Fußballfeldern, die jede Minute verloren geht. Der Ölpalmenanbau spielt dabei eine große Rolle.

Weltweite Waldverluste 2002-2020

2. Verlust des Lebensraumes für Tier und Mensch

Regenwald

Regenwaldgebiete, die zur Abholzung oder Brandrodung freigegeben werden, beheimaten oftmals nicht nur vorm Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, sondern auch indigene Völker, die dadurch ihre Lebensgrundlage und Kultur verlieren. Kein Wirtschaftszweig musste sich bisher mit so vielen Landkonflikten auseinandersetzen, wie die Ölpalmindustrie. Es ist keine Seltenheit, dass selbst friedliche Proteste gewaltsam beendet werden.

Aktuell kommt es zudem immer häufiger zu Tigerangriffen auf Nutztiere, die in den Plantagen direkt neben dem Regenwald gehalten werden. Den seltenen Raubtieren geht nicht nur die Beute aus, sondern auch ihr Lebensraum. Der daraus entstehende Verlust einer Kuh oder Ziege ist für die lokalen Bauern meist sehr schwerwiegend und hat nicht nur tragische Folgen für deren Einkommen, sondern auch für die Tiger und andere Tiere des Dschungels. Denn in den Randzonen des Regenwaldes werden seitdem immer häufiger illegale Fallen und verletzte oder tote Tiere gefunden.

3. Ausbeutung der Arbeiter & lebensgefährliche Arbeitsbedingungen

Viele der Arbeiter auf den Plantagen sind nicht fest angestellt, sondern verdingen sich als Selbstständige. Ohne Mindestlohn, Arbeitsschutzmaßnahmen und Sozialversicherung müssen sie die schwere und teilweise gefährliche Arbeit ausführen. Dafür werden sie nach Quoten und nicht nach Stunden bezahlt. Aber auch die Festangestellten sind weit entfernt von einer fairen Bezahlung. Täglich schleppen die Erntearbeiter um die 3.500 kg auf ihren Schultern und bekommen dafür umgerechnet knapp 6 Euro. Die Dornen der Ölpalmen sind äußerst giftig und verursachen häufig schwere Verletzungen und Arbeitsunfälle.

Chemikalien auf der Ölpalmplantage
Erntearbeiter auf einer Palmölplantage

Pestizide und Kunstdünger verunreinigen weiträumig das Grundwasser und Flüsse. Menschen, die in den Plantagen leben müssen, weil sie dort arbeiten, sind den Chemikalien tagtäglich ausgesetzt. Viele der Arbeiter leiden dadurch an ernsten Augen- und Lungenerkrankungen. Es gibt kaum frisches Trinkwasser, meist wird das verseuchte Wasser kurz abgekocht und dann weiterverwendet. Kinder spielen täglich in den mit Chemikalien versetzten Bächen. Schulbildung ist selten.

Auch bei der weiteren Verarbeitung in den Mühlen, wo die Früchte der Ölpalmen ausgepresst und zu Öl raffiniert werden, entsteht eines der stärksten Treibhausgase: Methan. Unzureichende Schutzmaßnahmen führen dazu, dass dieser Stoff in großem Maß in die Umgebung austritt.

Verletzung der Menschenrechte, Kinder- und Zwangsarbeit, unerträgliche Arbeitszeiten, ungesunde und unsichere Arbeitsbedingungen, unzureichende Arbeitsschutzmaßnahmen und Schulungen sowie fehlender Schutz von Frauen sind laut einer Studie von Profundo nur ein Bruchteil der Probleme, die auf vielen Plantagen auftreten.

4. Auslaugung der Region

Einen weiteren großen Nachteil stellen die Folgen des Anbaus von Ölpalmen dar: In den Plantagen steigen die Temperaturen enorm an. Dadurch entwickeln sich Trockenlandschaften. Aufgrund des hohen Wasser- und Nährstoffbedarfs der Ölpalmen werden die Böden der Plantagen ausgelaugt und dürren stark aus. Das führt regelmäßig zu Erosionen oder Sturzfluten.

Bauern, deren Land sich neben einer Ölpalmplantage befindet, haben keine Chance auf einen erfolgreichen Anbau, da die Ölpalmen ihre Umgebung für andere Pflanzen unbrauchbar machen.

5. Artensterben

Obwohl die Ölpalmplantagen genauso grün aussehen, wie der Dschungel, können in diesen Monokulturen nur sehr wenige Tier- und Pflanzenarten überleben. Durch die Chemikalien und einseitige Nutzung des Gebietes herrscht eine unumgängliche Vernichtung der Artenvielfalt, die elementar für unseren Planeten ist.

Orang Utans gibt es nur noch an zwei Orten auf der ganzen Welt: Auf den Inseln Borneo und Sumatra. Borneo hat bereits 50% seines Regenwaldes verloren, Sumatra sogar schon 85%. Das Sumatra-Nashorn und der Sumatra-Tiger sind vorm Aussterben bedroht. Ihr letzter verbleibender Lebensraum befindet sich – wie schon der Name verrät – auf Sumatra. Doch die übrig gebliebenen Naturschutzgebiete sind kaum ausreichend für das Überleben dieser besonderen Tierarten.

Orang Utan

Zertifikate als Lösung?

RSPO:

Der Runde Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) ist das derzeit am meisten eingesetzte Zertifizierungssystem für Palmöl. Es kennzeichnet bestimmte Plantagen als nachhaltig. Die Anforderungen, die erfüllt werden müssen, um das Label zu erhalten, sind jedoch sehr gering und ihre Einhaltung kann kaum kontrolliert werden. Umweltschutz und soziale Aspekte sind darin kaum enthalten. Vorwürfe des Greenwashings sind daher keine Seltenheit.

Bio-Siegel:

Weltweit gibt es bisher nur sehr wenige Plantagen, auf denen Ölpalmen unter biologischen Bedingungen angebaut werden. Insgesamt machen sie nicht einmal 1% aus. In Indonesien, woher Deutschland das meiste Palmöl bezieht, befindet sich keine davon. Die Bio-Bestimmungen fordern jedoch weder einen Stopp der Abholzungen für den Anbau neuer Plantagen noch faire Arbeitsbedingungen. Eine Garantie, dass für diese Plantagen keine Regenwälder gerodet und keine Menschenrechte verletzt werden, gibt es also auch bei Bio-Palmöl nicht.

Fair:

Serendipalm, eine einzige Plantage weltweit achtet neben den Bio-Anforderungen auch auf eine faire Behandlung der Arbeiter. Sie befindet sich in Ghana, Westafrika, und bezieht ihre Ölfrüchte hauptsächlich von Kleinbauern aus der Region. Sämtliche Arbeiter sind festangestellt, versichert, erhalten akzeptable Löhne und eine warme Mahlzeit pro Tag, sowie Mutterschutz und Urlaubstage. Bei der Weiterverarbeitung in der Mühle kommen kaum Maschinen, sondern hauptsächlich Handarbeit zum Einsatz. Das sorgt für mehr Arbeitsplätze in der Region und vermindert die schädlichen Abwässer. Diese Art des Anbaus sollte besser gefördert werden.

Fazit: Muss eine Alternative zu Palmöl gefunden werden?

Die Ölpalme erzielt im Vergleich zu anderen Ölpflanzen mit Abstand den höchsten Ertrag. Kokospalmen, Sojapflanzen, Sonnenblumen oder auch Raps müssten auf einer deutlich größeren Fläche angebaut werden, um den gleichen Ertrag zu bringen. Eine expandierender Anbau dieser Ölpflanzen wäre also noch umweltschädlicher. Aus diesem Grund ist es sehr schwierig, eine bessere Alternative zu Palmöl zu finden.

Doch die Wissenschaft arbeitet daran. Beispielsweise gibt es ein biotechnologisches Verfahren, durch das Öl aus Brotresten gewonnen werden kann. Das Überangebot des Handels soll dafür genutzt werden, um die massiven Folgen des Ölpalmenanbaus für Natur und Mensch zu reduzieren.

Eine alles rettende Alternative ist jedoch noch nicht in Sicht. Was können wir also tun, um den Regenwald, die lokale Bevölkerung, unser Klima und den gesamten Planeten zu schützen?

Vergleich der Ölpflanzen

5 Dinge, die wir tun können:

> Reduktion der Nachfrage

Wenn wir unseren Verbrauch von Palmöl reduzieren würden, müssten keine neuen Plantagen entstehen. Dadurch könnten die letzten bestehenden Regenwaldgebiete unserer Erde erhalten bleiben.

Mit der CodeCheck-App kannst du überprüfen, ob Palmöl in einem Produkt, das du kaufen möchtest, enthalten ist: https://www.codecheck.info/so-gehts/start

Mit der Replace PalmOil-App kannst du eine automatische Beschwerde an den Hersteller senden lassen, wenn du ein Produkt magst, das unnötig Palmöl enthält: https://www.orang-utans-in-not.org/de/projekte/replace-palmoil-app

> Auf die Herkunft des Palmöls achten

Wenn sich Palmöl mal nicht vermeiden lässt, sollten wir darauf achten, Palmöl von fairen Plantagen zu kaufen. Dadurch wird Druck auf die konventionellen Plantagen ausgeübt. Diese müssten dann ihre Anbaubedingungen ebenfalls verbessern, um marktfähig zu bleiben.

Produkte aus fairem Palmöl werden beispielsweise von Rapunzel, Dr. Bronners und GEPA verkauft, die Palmöl von Serendipalm beziehen.

> Stärkere Verwendung heimischer Öle

Versuche hauptsächlich Produkte zu kaufen, die regionale Öle enthalten (am besten generell regionale Produkte kaufen), z.B. Sonnenblumen-, Raps-, Lein- und Ölivenöl, aber auch Maiskeim-, Rüben- oder Hanföl.

Diese Ölpflanzen können in Europa angebaut werden, ohne Regenwald abholzen zu müssen. Außerdem können sie gut in regional bestehende Fruchtfolgen eingegliedert werden.

> Kraftstoff einsparen

Beim Tanken haben wir keine Wahl. Wie viel Biosprit dem fossilen Kraftstoff beigemischt ist und aus welchen Rohstoffen dieser hergestellt wurde, muss nicht verpflichtend angeben werden. Würden wir also ab und zu aufs Auto verzichten und mehr Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen, könnten wir einige Liter Palmöl sparen.

> Wissen weitergeben

Gebt euer Wissen über Palmöl an Familie, Freunde und Bekannte weiter. Zusammen können wir mehr erreichen.

Je mehr Menschen sich an Online-Protestaktionen oder Unterschriftensammlungen beteiligen, desto mehr Druck kann auf die Politik und Wirtschaft ausgeübt werden. Zum Beispiel: https://www.regenwald.org/themen/palmoel/fragen-und-antworten#petition

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